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Wsf-Schwimmerin folgt Trainer Vitense nach Neckarsulm
Gute Perspektive für Marlene Hüther

Marlene Hüther mit den stellvertretenden Wsf-Vorsitzenden Stefan Loch (li.) und Thomas Roller (re.) sowie dem Vorsitzenden Matthias Fritzke.
Marlene Hüther mit den stellvertretenden Wsf-Vorsitzenden Stefan Loch (li.) und Thomas Roller (re.) sowie dem Vorsitzenden Matthias Fritzke. FOTO: Marco Wille / Marco Wille; (mw); www.marcowill
Zweibrücken. Wsf Zweibrücken verabschieden ihre 19-jährige Spitzenschwimmerin vor ihrem Wechsel nach Neckarsulm

Da stand sie nun im Bootshaus der Wassersportfreunde Zweibrücken mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Eingerahmt vom Vorsitzenden Matthias Fritzke, seinen beiden Stellvertretern Stefan Loch und Thomas Roller. Die Zweibrücker Ausnahmeschwimmerin der vergangenen Jahre: Marlene Hüther. Bedacht mit einem Trikot samt Unterschriften der Vereinskameraden als Abschiedsgeschenk, hat sie ihrem Heimatverein der vergangenen fast zehn Jahre am Sonntag „Tschüss“ gesagt.

Die 19-jährige Top-Athletin wird sich gemeinsam mit ihrem bisherigen Saar-Verbandstrainer Hannes Vitense künftig der Neckarsulmener Sportunion anschließen, um den Schwimmsport weiterhin professionell zu betreiben. Dies liegt jedoch nicht an den sportlichen Voraussetzungen, denn die sind, so Thomas Roller in seiner Abschiedsrede, „hier ebenfalls bestens“. Es ist vielmehr die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Sport, die diesen Wechsel letztlich unumgänglich machten. „Marlene ist Spitzensportlerin und wendet sehr viel Zeit dafür auf, um auch Spitzensportlerin zu bleiben“, erklärt Roller. Vier Trainingsstunden an sechs Tagen pro Woche gehören zum Standard. Dazu noch Einheiten im Kraftraum, Athletiktraining und Physiotherapie. Disziplin und ein ausgeklügeltes Zeitmanagement sind unabdingbar. Nach ihrem bestandenen Abitur am Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasium, einer Eliteschule des Sports, hat sich die Dietrichingerin an der Internationalen Hochschule in Bad Honnef für ein BWL-Fernstudium eingeschrieben und sitzt aktuell über den Lernunterlagen für die dritte Klausur.

Und genau hier liegt das Problem: Entscheidet man sich für Beruf oder den Sport? Will man zur absoluten Spitze gehören, und dazu habe Marlene Hüther zweifelsfrei die Möglichkeit, so leidet irgendetwas immer darunter. 90 oder 95 Prozent reichten auf diesem Level einfach nicht, betonte der stellvertretende Wsf-Vorsitzende. Dennoch sei es wichtig, die Weichen für das Leben nach dem Sport zu stellen. In Neckarsulm bietet sich Hüther nun eine tolle Gelegenheit – durch einen Mäzen, welcher im dortigen Verein stark involviert ist. Er errichtet in Neckarsulm gerade ein Leistungszentrum, das zur Olympia-Schmiede werden soll. Neben dem Training können die Sportler dort eine Ausbildung absolvieren. Und je nach Trainingsphase wird das berufliche Pensum soweit wie nötig angepasst. Gleichzeitig bekommen die Athleten die berufliche Perspektive, auch nach dem Sport dort weiterarbeiten zu können. Beruf und Sport schließen sich hier nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich.



Mit einer Bildpräsentation im Vereinsheim blickten die Wassersportfreunde auf die Stationen von Marlene Hüther zurück. Vom ersten Training 2008, über erste Pokalerfolge in der Mini-Mannschaft, zahlreiche deutsche Meisterschaften, Berufungen in den Landeskader und später in die Nationalmannschaft. Erste internationale Erfolge – wie vier Mal Silber und einmal Bronze bei Jugendeuropameisterschaften, die Teilnahme an den Jugendweltmeisterschaften 2013 in Dubai. Sage und schreibe 263 Vereinsrekorde hat sie bei den Wsf gebrochen und hält alle Einzelvereinsrekorde auf der Kurzbahn sowie beinahe alle auf der Langbahn. Hinzu kommen im Zahlenspiegel 75 saarländische Jugendrekorde, insgesamt acht Mal hat das Schwimm-Ass den deutschen Altersklassenrekord neu aufgestellt. Saarlands Nachwuchssportlerin des Jahres 2015 war sie ebenfalls. Der Verein dankte ihr abschließend für die erfolgreiche Zeit, verbunden mit der Hoffnung diese starken Leistungen in Neckarsulm weiterzuführen. Vielleicht sogar soweit, dass ihr auch der große Wettkampf bei den olympischen Spielen 2020 in Tokio nicht verwehrt bleibt. Neben der Ehrenplakette in Gold erhielt Marlene Hüther am Sonntag die Auszeichnung zur Vereinssportlerin des Jahres.

Die Dietrichingerin Marlene Hüther will in Neckarsulm Spitzensport und Berufsausbildung unter einen Hut bekommen.
Die Dietrichingerin Marlene Hüther will in Neckarsulm Spitzensport und Berufsausbildung unter einen Hut bekommen. FOTO: Martin Schutt / picture alliance / dpa