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Serie Straßennamen
Das Lustschloss und die Fasanen

Die Fasaneriestraße in Zweibrücken teilt die Fasanerie auf 2439 Metern Länge in zwei Teile.
Die Fasaneriestraße in Zweibrücken teilt die Fasanerie auf 2439 Metern Länge in zwei Teile. FOTO: Volker Baumann
Zweibrücken. Zur Zeit des ersten Exils des Polenkönigs entstand die Anlage in Zweibrücken. Doch er nannte sie noch „Tschifflik“. Volker Baumann

Als Fasanerie, Fasanenkammer oder auch Fasanengarten bezeichnet man ein Gehege, in dem Fasanen gehalten werden. Es ist oft weitläufig und dem Lebensraum der Tiere angepasst. In Deutschland existieren Fasanerien etwa seit Ende des 17. Jahrhunderts. Hier dienten sie dem Adel hauptsächlich auch als mit schönen Vögeln bevölkertes Ausflugsziel. Aus diesem Grund wurden auch häufig Pfaue angesiedelt. Während und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Fasanenbestände stark dezimiert. Als Ursache nimmt man neben den Kriegsfolgen auch Nahrungsknappheit an. Um diese Verluste wieder auszugleichen, beschlossen zahlreiche Landesjagdverbände in den Jahren 1950/51 die Errichtung verschiedener Aufzuchtfasanerien.

Einige Naherholungsgebiete von Städten tragen noch immer in Anlehnung an die frühere Funktion den Namen Fasanerie, obwohl man dort nur noch äußerst selten ein Exemplar dieser Gattung antrifft, so auch in Zweibrücken. Weitere bekannte Fasanerien in Deutschland sind der Wildpark Alte Fasanerie bei Klein-Auheim, die Fasanerie in Aschaffenburg, der Tier- und Pflanzenpark Fasanerie in Wiesbaden, die München-Fasanerie, ein Stadtteil im Norden Münchens und die Fasanerie Darmstadt.

Die Anlage in Zweibrücken entstand zur Zeit des ersten Exils des Polenkönigs Stanislaus Leszczyński, das er von 1714 bis 1718 in Pfalz-Zweibrücken verbrachte. Die Wahl des türkischen Namens Tschifflik geht wohl auf seinen vorhergehenden Aufenthalt in Bender zurück. Der 1716 von der königlichen Familie bezogene Komplex war durch eine vier Kilometer lange und 2,50 Meter hohe Mauer von der Außenwelt abgeriegelt und umfasste neben dem Haupthaus zwei Wohnhäuser, eine Terrassenanlage mit Appartements, zwei Nutzhäuser und ein umfangreiches Gartenareal mit Freilichtbühne und Wasseranlagen. Von 1757 bis 1769 wurde im Garten eine Fasanerie eingerichtet.



Unter dem Namen Fasanerie ist das Areal heute besser bekannt und umfasst mit dieser Bezeichnung das gesamte bewaldete Gebiet. Die Fasaneriestraße teilt auf 2439 Metern Länge diesen Wald in zwei ungleiche Hälften. Zum einen in den kleineren Luitpoldpark und östlich der Fasaneriestraße in den sogenannten Ehrbusch, in dem sich eine Hütte des Pfälzerwald-Vereins befindet („Contwiger Hütte“, auch „Hahnberghütte“ genannt). Der denkmalgeschützte historische Fasanengarten, der dem heutigen Naherholungsgebiet „Fasanerie“ seinen Namen gab, wurde von 2006 bis Mai 2008 im Rahmen des neu angelegten Themenweges „Gärten und Landschaft“, von der Stadt Zweibrücken mit Förderung der EU in weiten Teilen erneuert. Der barocke Ursprung wurde bei der Sanierung mit modernen Nutzungsmöglichkeiten im Sinne eines Naherholungsgebiets kombiniert. Tschifflik gehört zu den Sehenswürdigkeiten der Barockstraße Saar-Pfalz.